Mittwoch, 08.10.2008
Der Blog geht weiter.
Und die Zeiten sind zu spannend, um sich gerade jetzt zurückzuziehen. Ich habe mit dem Handelsblatt geredet, und gehe davon aus, daß kritische Fälle in Zukunft besser gelöst werden. Und schließlich muß ich selbst zugeben, daß der gelösche Blog-Eintrag nicht unproblematisch war – also Asche auch auf mein Haupt. Nach reiflicher Überlegung habe ich mich daher entschlossen, vorerst weiter zu machen. Und ich werde in Zukunft hier und da etwas vorsichtiger sein. Aber nur etwas. Dieser Blog will einen kleinen Beitrag dazu leisten, Licht in die Dunkelheit zu bringen. Die Nervösität an den Märkten und bei den Anlegern kommt auch daher, daß niemand weiß, wo die nächste Bombe platzt. Die Zeit für Beschwichtigungen ist vorbei, die Zeit für Klarheit ist jetzt. Und daher bin ich insbesondere auch für die vielen Blog-Kommentare dankbar, die dazu beigetragen haben und beitragen: daraus lernen wir alle, sie sind ein wichtiger Bestandteil des Blogs. Hier also umgekehrt mein Wunsch: bitte weitermachen!
Kommentare und Trackbacks
Karin kommentiert:
Ich hätte mir einen anderen Ort ohne Fremdfesseln gewünscht, auch wenn die Reichweite hier vielleicht grösser ist und andere Lesergruppen erreicht.
Alex kommentiert:
Die Zeiten sind wahrlich spannend, was die Volkswirtschaften angeht.
Sofern man sich bei Ihnen auch Themen wünschen darf:
Ich habe derzeit den Eindruck, dass das Vertrauen in das Bankensystem (und das gesamte Wirtschaftssystem?) bei den Experten deutlich geringer ist als bei den einfachen Bürgern.
Die Bürger haben sich bisher auf das Einlagensystem der Banken verlassen und implizit auch darauf, dass der Staat eine Massenpanik nicht zulassen würde - was auch so passierte. Der Normalbürger schaut interessiert zu, reagiert aber nicht panisch.
Panisch hingegen reagieren die sogenannten Experten: Börsianer, Banker, Wirtschaftsexperten. Ich habe ausschließlich von Bankern und professionellen Börsianern gehört, die ihre Konten geräumt haben oder zu Volksbanken wechselten, ich sehe Fonds Aktien wegschmeißen ohne Sinn und Verstand.
In guten Zeiten wurde gesagt, ein Pfandbrief sei durch die Kopplung von Institutshaftung und extrem solider Sachlagendeckung so sicher, dass er unkaputtbar ist. Plötzlich wird vor einem HRE-Konkurs gewarnt wegen der Pfandbriefe - ja was ist denn mit der extrem soliden Sachlagendeckung?
Was ist der Pfandbrief denn nun wirklich wert, wenn die Banken ihm nicht mehr trauen???
Von der Seite "der Banker" wird geradezu alles getan, das System zum Zusammenbruch zu zwingen.
Die dynamischen Systeme haben auf dieser Seite unglaublich selbstverstärkend gewirkt und alle dämpfenden Einflüsse beiseitegedrängt.
Was ist hier los?
Kollektiver Rinderwahnsinn?
Vertrauen die Experten dem System nicht, weil es in sich unrettbar kaputt ist?
Oder sind sie so sehr im Mikrokosmos gefangen, dass sie (und nur sie) irrational überängstigt agieren?
Andere Frage: Seit Jahren wurde von dieser Seite eher verächtlich über den Staat gesprochen, der mit seinen Eingriffen die Land und Wirtschaft nur stört und eh nichts kann. Jetzt erweist sich der Staat (neben den ruhigen Bürgern) als der zentrale verbleibende Ruhe- und Kraftpunkt. Hingegen setzen der Bankenverband wie auch viele Wirtschaftsverbände auf Funkstille, gewissermaßen U-Boot-Betrieb. Warum hat hier niemand den Mumm, sich der Kritik zu stellen?
Mit welchem Recht sollten diese Vertreter jemals wieder Ansehen gewinnen und jemals wieder von Politik und Gesellschaft als Gesprächspartner ernstgenommen und geachtet werden? Ich habe den Eindruck, als drücke sich eine ganze Branche gerade dann kollektiv vor jeglicher Verantwortung, wenn sie dringend benötigt wird.
Was ist hier los?
Welche Mechanismen und Anreizsysteme haben dazu geführt, dass auf so breiter Front jetzt diese Verhaltensweisen dominieren? (Oder Menschen mit entsprechenden Charaktereigenschaften aufsteigen zu lassen.)
Und welche Mechanismen und Anreizsysteme sind aus Sicht eines Wirtschaftswissenschaftlers erstrebenswert, um zukünftig verantwortungsbewusstere Charaktere und Verhaltensweisen in Krisenfällen zu ermöglichen?
Oder ist das immer systemimmanent und nicht zu ändern? Sollten also aus Sicherheitsgründen die Banken so weit geschwächt oder überreguliert werden, bis ihr wirtschaftlicher Einfluss so weit reduziert wird, dass sie selbst im Worst-Case-Szenario kein derartiges Zerstörungspotential mehr entfalten können?
frank kommentiert:
Markus kommentiert:
Es heißt allerdings DAS Blog. Vielleicht ist es ja noch nicht zu spät, den korrekten Artikel für das Weblog anzuwenden. ;-)
Valentin kommentiert:
Warum das? Warum der? Beides völlig legitim, beides der Normalfall beim Import eines neuen Wortes aus einer Fremdsprache. Niemand außer der Zeit weiß, wie es richtig heißt. Ottonormalverbraucher ist wohl eher noch beim "der", weil es näher am Deutschen liegt, unglaublich weit vorne surfende Mitmenschen sind beim "das", gehört wohl dazu, ist Etikett, sagend: Ich gehöre dazu zu denen, die da so weit vorn Surfen.
Warum fließt das gerade so aus meinen Fingern? Keine Ahnung. Vielleicht, weil es mich gegen Feierabend noch ein wenig nach Ablenkung im Unbedeutenden dürstet ;-)
Valentin kommentiert:
Dietmar kommentiert:
Wenn die dem Alex bekannten "Börsianer, Banker, Wirtschaftsexperten" einen repräsentativen Querschnitt bilden (und nur etwas besser im Kraut stehen, als die, die bei der KfW noch schnell ein paar Millionen bei Lehmann in Sicherheit brachten;-) - na dann gute Nacht: diesen "verunsicherten" Experten steht eine Masse ruhiger Anleger(Schafe+Hasen) gegenüber, für die "Einlagensicherung" doch nur eine finanztechnische Einschlafhilfe ist. Warum gibt denn Fam. K. aus HH. an der E. ihr Geld bei den Bankern ab ? In der Hoffnung, dass die schon irgendwie die 4,5% Zinsen erwirtschaften werden - auf Dauer ... natürlich ... und sicher ... natürlich - na Mensch: eben so dass nichts schief geht mit der sauer verdienten Kohle !!!
Die Sache mit dem Pfandbrief, der soliden Sachanlagendeckung und dem HRE-Beispiel - das ist extrem effiziente Satire ! (schicken Sie das unbedingt der Redaktion vom 'Scheibenwischer')
Das assoziiert mir eine Parallele zur Einlagensicherung ... Einschlaflied, wie gesagt: Sing' dem Bankkunden eine beruhigende Melodie oder einen rockigen Hit - je nach Anlagementalität - die Textaussage ist zweitranging bis strictly confidential !! ( bei Nachfragen hilft summen: mmmmh, mmmmh, mmmmh, mh )
"Ich hab' so summen im Ohr ... - Ja ? Wie hoch sind die Summen ?" (alter Herricht & Preil Gag)
(Nachdem ich mich nun als Deutscher mit Zonen-Migrations-Hintergrund geoutet habe, noch dies zu Alex' wirklich anregendem Beitrag)
"Die Renten sind sicher." (Blüm - das war ja mal noch ein Statement ... )
"Wir sagen den Sparerinnen und Sparern, dass ihre Einlagen sicher sind" (Merkel - o.k. ...)
beim Financier liest sich das schon anders:
"Ich MÖCHTE gerne UNTERSTREICHEN, dass WIR ... dafür Sorge tragen WOLLEN, DASS die Sparerinnen und SPARER in Deutschland NICHT BEFÜRCHTEN MÜSSEN, einen Euro ihrer Einlagen zu verlieren. Dies ist ein wichtiges SIGNAL, ... zu..r Beruhigung (... )."
o.k.: er möchte unterstreichen 'wir wollen, dass sparer nicht befürchten müssen' ... auch eine klare - sagen wir mal - Willensbekundung.
Dietmar kommentiert:
Wäre ja auch gelacht. Andere (ntv-telebörse) haben noch viel eingedampftere Wahrheiten über die derzeitige Situation parat: "Das derzeitige Finanzsystem findet keinen Dümmeren mehr, der sich höher verschuldet. Außer den Staat und damit den Steuerzahler, wenn auch nicht freudig lächelnd und freiwillig. Doch der schaut bekanntlich immer als Letzter in die Röhre."
na dann MAHLZEIT !
Fackelflax kommentiert:
Es gibt nur eine plausible Herleitung des Worts "(We-)Blog": "Web" ist klar und "Log" von "das Logbuch", einem schon lange im Deutschen existierenden Begriff. Und weil sich der Artikel bei zusammengesetzten Substantiven grundsätzlich nach dem letzten richtet, heisst es "das Blog".
Und gerade ein Journalist, dessen wichtigstes Handwerkszeug die Sprache ist, sollte diese auch einigermaßen beherrschen und nicht völlig gleichgültig behandeln. Abgesehen davon, Leute die offensichtlich Probleme mit dem Gebrauch von Artikeln haben, können sonst sicher bei keinem Verlag auch nur in die Nähe einer schreibenden Position kommen.
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