Mittwoch, 01.10.2008

Letzter Blog-Eintrag wurde gelöscht

 

Mein letzter Blog-Eintrag vom Sonntag wurde von der Redaktion des Handelsblatts gelöscht und ist daher hier nicht mehr verfügbar.  Ich habe versucht, gegenwärtigen Ereignissen meine eigene Interpretation zu geben, die man teilen mag oder nicht oder die man sonstwie bewerten mag.  Es ist meine feste Auffassung, daß die ungefilterte Interpretation (ausgeschlossen Beleidigungen etc.) und die Diskussion darum mit den Lesern die Kernfunktion eines funktionierenden Blogs ist.   Aufgrund dieses Prinzips habe ich keinen Beitrag meiner Leser gelöscht, es sei denn, es handelte sich offensichtlich um Spam.  Aufgrund des gleichen Prinzips habe ich mich daher entschlossen, daß mir kein anderer Weg bleibt als die Bitte an die Handelsblatt-Redaktion, meinen Blog zu schließen.  Ich gehe davon aus, daß das bald passieren wird, und das dies mein letzter Eintrag ist.  Ich danke dem Handelsblatt für die Möglichkeit und das in mich gesetzte Vertrauen, mit diesem Blog meinen Beitrag zu den Diskussionen leisten zu dürfen, und ich danke allen Lesern für Ihr Interesse und Ihre Beiträge.   Mir hat es Spaß gemacht, und es tut mir aufrichtig leid, daß es nun vorbei ist. Ich hoffe, es geht Ihnen ebenso.  Ich wünsche allen in diesen Zeiten viel Glück und Erfolg.

Kommentare und Trackbacks

Arndt Bendowski kommentiert:

Auch wenn ich nicht immer Ihrer Meinung war, fand ich doch Ihren Blog insgesamt sehr lesenswert und finde ich die Entscheidung des Handelsblatts höchst problematisch.
Beste Gruesse
Arndt
Arndt Bendowski | 02.10.2008 - 00:01

Karin kommentiert:

Als Ihre beiden ersten Warnungen über die Problematik des Einlagensicherungsfonds erschienen, habe ich überlegt, ob ich das Handelsblatt abboniere. So erstaunt war ich, über das, was dort möglich war.

Die weitere Berichterstattung hatte mich dann wieder davon abgebracht und ich bin empört, über das, was geschehen ist. Gerade jetzt wären solch mutige Beiträge wichtiger denn je!


http://www.ftd.de/unternehmen/finanzdienstleister/:Solidarit%E4t-unter-Bankern-LBBW-stellt-Haftungsverbund-infrage/420967.html

Solidarität unter Bankern
BBW stellt Haftungsverbund infrage

Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) hat nach FTD-Informationen prüfen lassen, inwiefern sie für eine andere Landesbank im Falle ihrer Pleite einstehen müsste.
Karin | 02.10.2008 - 05:57

Karin kommentiert:

http://www.faz.net/d/invest/meldung.aspx?id=85613322

Steinbrück: Einlagensicherung der Banken sehr angespannt
Karin | 02.10.2008 - 06:00

Karin kommentiert:

Sorry, wegen des Rechtschreibefehlers, aber früh morgens und derart in Rage, habe ich nicht darauf geachtet.
Karin | 02.10.2008 - 06:10

Karin kommentiert:

Karin | 02.10.2008 - 06:48

Christian kommentiert:

Dann wäre es ja an der Zeit, einen eigen Blog zu starten. Bedeutet nicht viel Aufwand und wäre nötig, einen guten Blog in deutsch zu haben. Falls sie dafür Hilfe bräuchten, schicken sie mir eine Mail. Grüße von der Wiwi!
Christian | 02.10.2008 - 06:52

Karin kommentiert:

Karin | 02.10.2008 - 07:01

Daniel kommentiert:

Hm - das ist doch etwas albern, was das Handelsblatt da macht. Wieso fanden die denn, dass das nötig ist? Der Text ist doch ohnehin in der Welt und war ja auch nicht sooooo weit hergeholt.
Daniel | 02.10.2008 - 07:25

Elke K. kommentiert:

Sehr geehrter Herr Professor Uhlig!
Ich verfolge seit einiger Zeit Ihre Berichte und habe Vieles davon weitergegeben.
Besonders der gelöschte Beitrag, hat mich dazu veranlasst, ausführlicher im Internet zu recherchieren und bin auf einigen Seiten mit ähnlichen Prognosen fündig geworden.
Machen Sie weiter! Unbedingt! Gründen Sie einen neuen, deutschsprachigen Blog.
Kennen Sie die nachdenkseiten de ? Ich empfehle Ihnen einen Besuch dieser Website, einige der wenigen, auf denen täglich umfassend über Hintergründe in Politik und Finanzwesen aufgeklärt wird und dies zur Information der Bürger, nicht zum Schutz der Investoren und Politiker!
Vielleicht mögen Sie dort das Verhalten des Handelsblatts öffentlich machen! Gut wäre das.

Mit freundlichem Gruss
Elke K.
Elke K. | 02.10.2008 - 10:53

Karin kommentiert:

Sehr geehrter Professor Uhlig,

ansonsten finde ich Zeitenwende mit ch statt de sowie weissgarnix, Querschüsse (jeweils de) ganz spannend.

Ich würde mich auch sehr freuen, wenn Sie weiter bloggen würden - in einer liberaleren Umgebung!

Mit freundlichem Gruß, Karin
Karin | 02.10.2008 - 12:15

starr kommentiert:

Lieber Herr Uhlig,
bloggen sie doch bitte ohne das Handelsblatt auf Ihrer Homepage weiter, dann gibt es auch keine Zensur. Für das Handelsblatt ist das Ganze einfach nur peinlich.

Gruss, Starr
starr | 02.10.2008 - 13:20

saizew kommentiert:

Herr Professor, wir haben da was für sie:
http://oekonomie.blogger.de/stories/1233275/
saizew | 02.10.2008 - 15:09

Gerold Böhmer kommentiert:

Dienstag, 23.09.2008
Die Welt-Finanzkrise: Wann bricht der deutsche Einlagensicherungsfonds?
Ist es soweit? Ist der deutsche Einlagensicherungsfonds der Privatbanken pleite? Der doch die Einlagen der Sparer und Konteninhaber garantieren soll?




Nach Berichten des Handelsblattes kostet die Lehmann-Pleite den Einlagensicherungsfonds der deutschen Banken über 6 Milliarden Euro. Nun hatte der ohnehin wahrscheinlich weniger als 10 Milliarden auf der Kante, siehe mein Blog-Eintrag http://blog.handelsblatt.de/oekonomie/eintrag.php?id=23 . Und das Finanzministerium dementiert, daß es selbst gesagt habe, es seien nur 4.6 Milliarden – übrigens eine realistische Zahl. Also: der Fond ist jetzt entweder fast leer oder schon komplett leer. Falls er komplett leer ist, dann sind jetzt einige große Banken leise dabei, etwas Geld nachzuschießen – und halten die Luft an, das nicht allzu viele Einleger merken, daß der Kaiser keine Kleider hat. Die Statuen des Einlagensicherungsfonds verbieten ihnen sogar explizit, über das Problem zu reden!

Das Problem ist nur, daß die Dresdner Bank auch angeschlagen ist (man frage dort z.B. einmal nach ihrem K2 Conduit und was aus den fast 20 Milliarden Dollar dort geworden ist). Die Commerzbank hat die Dresdner geschluckt, und muß den Brocken erst verdauen. Die vielen kleinen Banken sind kaum eine Hilfe. Bleibt allein die Deutsche Bank? Ich vermute, langsam läuft das Telefon im Finanzministerium heiß: Steinbrück, retten Sie! Auch wenn der Einlagensicherungsfond rein privat ist! Pikant nur: gerade hat die deutsche Bundesregierung noch lauthals verkündigt, sie macht bei irgendwelchen Rettungsplänen nicht mit. Und ganz so einfach ist so etwas ja auch nicht: siehe die Rückwärtsrolle, die derzeit in den USA stattfindet.

Na, hoffen wir mal, daß das alles gerade noch gut geht. Denn: ein paar Tage war ja Ruhe im Markt. Bernanke und Paulson hatten das Kunststück fertig gebracht, mit einem groß angekündigten Sicherungsplan alle etwas zu beruhigen. Aber nun geht das Roulette erst noch einmal weiter: der Dollar fällt, etliche Papiere ebenso, und niemand will die heißen Kartoffeln halten. Also: Daumen drücken, Luft anhalten. Und die Ruhe vor dem Sturm noch etwas genießen.


huhlig um #16:04 in

9 Kommentare | TrackBack (0) | Artikel versenden
Gerold Böhmer | 02.10.2008 - 16:04

Hufi kommentiert:

Handelsblatt verhält sich furchtbar, unter aller Kanone. Haben die sich vielleicht mal irgendwo dazu geäußert? Wäre das nicht ein Fall für Indiskretion Ehrensache?
Hufi | 03.10.2008 - 10:51

Hundt kommentiert:

Bitte machen Sie weiter!
Hundt | 03.10.2008 - 12:22

locke kommentiert:

Könnten Sie den gelöschten Blog an Schall und Rauch weiterleiten, damit mehr Leute diesen lesen und sich eine Meinung bilden können.
Vielen Danke für Ihre Bemühungen und geben Sie bitte nicht auf.
locke | 03.10.2008 - 14:57

Daniel kommentiert:

Lieber Herr Uhlig,

bitte machen Sie weiter. Einen neuen Blog einzurichten ist ganz einfach, sie können den von user 'saizew' bereits eingerichteten nehmen (ich habe ihn mir schon angeschaut) oder einen eigenen einrichten (zB www.blogger.com). Das Handelsblatt hat sich da ins eigene Fleisch geschnitten, diese Geschichte werde ich sicher weiter erzaehlen.

Mit besten Gruessen

Daniel Harenberg
Daniel | 03.10.2008 - 16:44

Niels kommentiert:

Hallo Handelsblatt Redaktion?

Sind wir hier in China?


Zensierte Blogs brauchen wir hier in Europa keine!
Niels | 03.10.2008 - 17:33

egghat kommentiert:

Habe den Blog zwar nie gelesen, aber diese Entscheidung vom Handelsblatt ist Zensur und ein ziemlich dämliches Eigentor, dass ich dem Knüwer ehrlich gesagt nicht zugetraut hätte.

Bloggen kann man aber überall. Und zum Glück unzensiert. Gerne auch bei mir, die Einrichtung dauert 10 Sekunden.

Übrigens teile ich die Meinung, dass die Commerzbank mit oder ohne Dresdner Bank allein wegen der Eurohyp schon kritisch ist. Vielleicht hat man sich hier auch einfach auf ein "too-Big-To-Fail" zusammengekauft.
egghat | 03.10.2008 - 17:41

mariana mayer kommentiert:

Das ist Ihre freie Entscheidung Herr Uhlig.

Ihre Beiträge werden sicher fehlen im Mix des Blogs und den zugehörigen Lese/schreib Anhängerschaften.

Ihnen gleichfalls alles Gute.

Mit freundlichen Grüßen
Mariana Mayer
mariana mayer | 03.10.2008 - 18:29

georg kommentiert:

Es gibt ja noch www.hartgeld.com
georg | 03.10.2008 - 19:22

John Dean kommentiert:

Machen Sie weiter, Herr Uhlig!

(Bitte!)
John Dean | 03.10.2008 - 19:57

Bernharde kommentiert:

Nach den Bankenpleiten jetzt eine Zeitungspleite?

Ist das Handelsblatt so arm dran, Herrn Uhlig zensieren zu müssen? Unkritischer Journalismus führt auf längerer Sicht in die Pleite!
Bernharde | 03.10.2008 - 21:32

peter kommentiert:

Also, soviel zur Pressefreiheit... so ist das, wenn eine "unabhängige" Zeitungsredaktion das Web nicht versteht.... Machen Sie bitte ihren eigenen Blog! Auf Abos brauchen Sie bestimmt nicht lange warte.
Und gruss an ihren "Ex" Chef.. Zensur ist wirklich das letzte, was im Internet funktioniert... ;-)
peter | 03.10.2008 - 23:10

Anonym kommentiert:

Bloggen Sie in den USA - z.B. bei Blogger.com oder Wordpress.com. Bin gerade zufälligerweise erstmalig hier gelandet - dank eines Kommentars im Weblog "Alles Schall und Rauch".

In Deutschland gibt es keine richtige Pressefreiheit, einfach mal "Buskeismus" im Internet nachschlagen. In den USA können Sie alles sagen - ohne Angst vor Zensur.

Alles Gute.
Anonym | 04.10.2008 - 00:17

Pancho kommentiert:

Der Kabarett-Förderpreis Sprungbrett 2008 geht ans... HB...?


Alles Gute & Hasta Luego
Pancho | 04.10.2008 - 01:38

UnanganinddaG kommentiert:

http://ghjjwpypupjllellu.com ghjjwpypupjllellu
ghjjwpypupjllellu
ghjjwpypupjllellu
UnanganinddaG | 04.10.2008 - 05:27

Daniel kommentiert:

"Zensur im Internet" sollte in unserer westlichen Welt eigentlich ein Oxymoron sein (also ein in sich widersprüchlicher Ausdruck). Kann jemand bitte das original Kommentar von Herrn Uhlig auf einer anderen Seite posten und hier verlinken?
Daniel | 04.10.2008 - 09:18

ajku kommentiert:

Zum Beispiel hier:

http://oekonomie.blogger.de/stories/1234230/

via lanu
ajku | 04.10.2008 - 11:53

Pernholz kommentiert:

Meine Güte, dieses Gejammer, mir kommen gleich die Tränen. Im Gegensatz zu uns hat der Typ mit seinem Geschreibe Geld verdient!

Ich stimme Daniel zu: Zur Zensur gehört mehr, als 1 Artikel von 1 Internetseite zu löschen.

@Anonym: "In den USA können Sie alles sagen - ohne Angst vor Zensur."

Hahaha! Wenn Sie in den USA auch nur "ein bisschen was" sagen, können Sie sicher sein, dass Sie gleich auf der Liste stehen.
Pernholz | 04.10.2008 - 12:00

Cyprus kommentiert:

Liebe Leute,

sicher ist es kein Ruhmesblatt für das Handelsblatt, den Blogeintrag von Herrn Uhlig zu löschen. Aber jetzt wird hier getan, als wäre Prof. Uhlig der Blogveteran an sich. Hat ich jemand mal seine Bloghistorie angeschaut: Der hat ja quasi nie geschrieben.

Die Entscheidung den Eintrag zu entfernen ist schon bizarr, wenn ich die seltsame Inaktivität des Uhligblogs betrachte, scheint bis zu dem Zwischenfall niemand das Blog genutzt zu haben.

Das Wort Zensur ist schon etwas hart, immerhin hat das Handelsblatt diese Plattform für einige interessante und viele belanglose Blogs geschaffen. Eine andere Frage ist, ob es klug ist, einen Beitrag einfach zu löschen.

Mein Votum: Eine Zitrone für dummes Agieren im Netz für das Handelsblatt, eine Doppelzitrone wegen des beleidigten Reagierens von Uhlig.

Cyprus
Cyprus | 05.10.2008 - 01:12

Icke kommentiert:

Man meint doch immer es wäre schlecht um die anderen Ansichten bestellt... wie schön wenn man doch immer wieder einen Beweis erlangt...
Icke | 05.10.2008 - 07:59

Tina kommentiert:

Der Hetz-Blog vom Kollegen Thomas Knüwer gehört auch geschlossen.
Tina | 05.10.2008 - 10:34

Bernd Ziesemer & Sven Scheffler kommentiert:

Am vergangenen Sonntag wurde auf Veranlassung der Handelsblatt-Chefredaktion der Beitrag „Die Welt-Finanzkrise: was ist los mit Commerzbank, Dresdner Bank, UBS und Fortis?“ aus dem Handelsblatt-Blog von Harald Uhlig entfernt.

Uns ist bewusst, dass dies einen tiefgreifenden Eingriff in das Blog von Herrn Uhlig darstellt.

Grund für unsere Entscheidung war die Befürchtung, dass der Blog-Beitrag von Herrn Uhlig in der Öffentlichkeit irrtümlich nicht als die persönliche Meinung eines Wissenschaftlers, sondern als redaktioneller Beitrag des Handelsblatt wahrgenommen werden könnte und der Eindruck entsteht, das Handelsblatt rufe zu einem „Run“ auf die Commerzbank und andere Finanzhäuser auf.

In einer Situation, die ohnehin sehr fragil ist, wollten wir jedes Risiko ausschließen, durch missverständliche Äußerungen eine Panik in der deutschen Finanzindustrie zu verursachen. Dies haben wir höher bewertet als die Meinungsfreiheit unseres Bloggers.

Wir bitten Herrn Uhlig und unsere Leser dafür um Verständnis.

Bernd Ziesemer & Sven Scheffler
Bernd Ziesemer & Sven Scheffler | 05.10.2008 - 11:53

Olaf Storbeck, Handelsblatt kommentiert:

Wir dokumentieren hier den in der vergangenen Woche gelöschten Blog-Beitrag von Harald Uhlig, um mehr Klarheit in die Debatte zu bringen. Bitte beachten Sie: Die Position ist die perönliche Meinung von Harald Uhlig, sie gibt NICHT die Meinung der Handelsblatt-Redaktion wieder!

"Die Welt-Finanzkrise: was ist los mit Commerzbank, Dresdner Bank, UBS und Fortis?



Wenn Sie ein größeres Konto bei der Commerzbank oder der von ihr geschluckten Dresdner Bank oder UBS oder Fortis haben, so sollten Sie froh sein. Denn noch können sie dort ihr Geld abheben: in aller Ruhe und ohne Schlange zu stehen. Die Einleger scheinen nämlich Nerven aus Stahl zu haben, und das ist gut so. Bisher ist ein bank run auf diese Institutionen ausgeblieben, und dabei könnte es auch bleiben.

Dabei stehen die Zeichen schon lange an der Wand. Die Dresdner Bank hat sich mit ihrem K2 Fond verspekuliert, und war schon lange das Sorgenkind der Allianz. Die Chinesen wollten die Dresdner nicht: nun hat die Commerzbank sie geschluckt. Mittelfristig sicher eine gute Idee - man kann im gemeinsamen Filialgeschäft viel sparen - aber kurzfristig ist das ein schwer verdaulicher Brocken, und die Risiken sind da. Die Aktie der Commerzbank hat seit Juli 2007 fast 60 Prozent verloren - so berichtete die FAZ am Samstag. Ich denke, der Aktienmarkt weiß schon warum. Und sollte es einen run auf die Commerzbank geben, dann ist das Ende der Fahnenstange erreicht. Die Einlagensicherung des Bankenverbandes der Privatbanken ist nach dem Lehmann-Untergang so gut wie pleite. Bei einem run auf die Commerzbank (oder einer anderen, größeren Bank) ist da fast nichts mehr zu holen, wenn nicht von irgendwem nachgelegt wird. Die Einlagen wären dann futsch oder zumindest lange eingefroren. Alle Augen wären dann auf Steinbrück gerichtet - denn im Gegensatz zur Situation in den USA und England ist die Deutsche Bundesbank nicht "lender of last resort". Steinbrück wird dann aber sowieso schon alle Hände voll zu tun haben, die EU-vorgeschriebene Einlagensicherung bis 20 000 Euro zu bedienen. Und hat sich wehement gegen ähnliche bailout-Pläne wie in den USA gewehrt. Seine einzige Beruhigung der Einleger bisher war, daß das deutsche Bankensystem eben stabiler sei als das amerikanische. Finger über Kreuz halten, also. Außerdem: kann ein sozialdemokratischer Finanzminister wirklich die reicheren Einleger aus der Patsche holen? Gute Frage. Wollen Sie darauf wetten?

UBS hat seit Juli 2007 fast 70 Prozent am Aktienmarkt verloren, Fortis fast 80 Prozent. Sie haben schon lange Probleme. UBS ist in der Schweiz und Fortis in Belgien. Es sind große Banken in kleinen Ländern. Genauer: zu groß. Sollte es bei diesen Institutionen zu einem Krach kommen, ist nicht einmal klar, daß die Finanzminister dieser Länder das Problem lösen könnten, selbst wenn sie wollten. Für Fortis müsste dann eigentlich eine europäische Lösung her - aber die gibt es nicht. In einem CEPR Report, "Monitoring the European Central Bank", den ich 1998 mit verfasst habe, haben wir bereits damals das schwere Problem der rein nationalstaatlichen Bankenaufsicht und das Fehlen eines zentralen "lenders of last resort" in dem europäischen Währungsraum herausgestrichen. Viele andere haben es ebenfalls und seitdem immer wieder getan. Passiert ist seitdem zu wenig. Bundesbank Weber drängt zwar auf mehr Fortschritte auch hier, aber Steinbrück mauert. Also: geht Fortis den Bach runter, dann kann man nur noch freundlich lächelnd hinterher winken.

Vielleicht können Kenner der Szene in Kommentaren zu diesem Blog schreiben, wie es beispielsweise mit den Ausfallsrisiken und ihren Marktpreisen per credit default swaps steht: das wäre - neben dem Aktienpreis - sicherlich ein wichtiger Indikator. Zumal bei den Aktienpreisen wohl noch ein Stück weit Optimismus eingebaut ist, daß der amerikanische Rettungsplan auch diese Banken wieder aus dem Sumpf holt. Und wenn Sie schon dabei sind: welche anderen deutschen Banken wackeln derzeit noch? Wer traut sich, es auszusprechen? Wäre doch gut, wenn dieser Blog ein wenig mehr Licht in diese Situation hineinbringen könnte.

Glücklicherweise sind europäische Einleger offenbar meistenteils noch der Ansicht, die Finanzkrise ist ein reines US Problem, und ihre Einlagen in Europa sind sicher. Nerven aus Stahl: bewundernswert! Es ist sehr gut möglich - vielleicht sogar wahrscheinlich - daß die Commerzbank, die Dresdner Bank, Fortis und UBS diese Krisenzeiten unbeschadet durchstehen.

Also: vielleicht ist alles in Ordnung. Wenn Sie bei diesen Institutionen ein größeres Konto haben und darauf wetten wollen: nur zu. Ihre Gelder abzuheben und in etliche kleinere und vor allem sichere Konten umzuverteilen, oder andere Anlageformen zu suchen, ist ja auch irgendwie lästig. Kann ich gut verstehen. Oder aber Sie machen sich doch die Mühe und heben sicherheitshalber noch ab, bevor vielleicht zu viele andere auf die Idee kommen. Es ist Ihr Geld: Sie können damit machen, was Sie wollen. Noch."
Olaf Storbeck, Handelsblatt | 05.10.2008 - 12:10

SoE kommentiert:

Es ist doch völlig egal, wie häufig der Weblog aktualisiert wurde, es bleibt einfach peinlich für das Handelsblatt, einen Eintrag einfach komplett zu löschen und dann erst nach Tagen eine Erklärung hinterher zu schieben. Das zeigt zum einen die Wertschätzung für die Blogautoren und Leser (also gar keine) und eine unfassbare Unwissenheit im Bezug auf das Internet, vom Google Cache hatte anscheinend niemand etwas gehört.

Weiterhin bleibt der schale Nachgeschmack, wie das wohl mit unliebsamen Themen im Handelsblatt selbst aussieht. Werden da Redakteure angehalten, lieber nicht zu stark nachzudenken und zu tief zu graben? Wer muss nur bellen, damit Nachforschungen eingestampft werden?
SoE | 05.10.2008 - 22:34

bailout completed kommentiert:

Bezüglich der 20k Einlagensicherung gibt es übrigens einen gängigen Trick; Man spalte eine Summe in handliche 20k-Pakete und generiere ein Konto pro Paket. Verursacht keine zusätzlichen Kosten und die Einlagen werden zu 90% vom euch gedeckt. Das ist gängige Praxis.
bailout completed | 06.10.2008 - 01:50

Stephan Zimprich kommentiert:

Hm. Das ist in der Tat etwas bedenklich. Die freie Presse als informationeller Türsteher der Finanzwirtschaft? Wer wird denn da geschützt? Jedenfalls nicht die Anleger. Ein Risiko, dass die Einlagen den Bach runtergehen, ist sicher da. Und die Presse hat doch die Aufgabe, auf Risiken hinzuweisen. Oder nicht?
Stephan Zimprich | 06.10.2008 - 17:39

kodix kommentiert:

Die Löschung ist ein klassisches Eigentor. Viele hätten das nicht mitbekommen, aber so ist es zum Selbstläufer geworden.

Totzdem Dank an Herrn Olaf Storbeck für die Wiederveröffentlichung im Kommentar.
kodix | 06.10.2008 - 17:57

Olaf Storbeck, Handelsblatt kommentiert:

In der Tat haben wir uns bei dieser Sache nicht mit Ruhm bekleckert. Wie Thomas Knüwer in einem Kommentar zu seinem eigenen Blog-Beitrag treffend schreibt: "Shit happend". (http://blog.handelsblatt.de/indiskretion/eintrag.php?id=1944#kommentare)

Interessant ist übrigens, was Hans Peter Grüner in seinem Blog zur Krise schreibt: "Tatsächlich wird es Zeit, die Verluste aus der Subprime Krise zu verteilen, die richtigen Schlüsse zu ziehen, und sich dann wieder interessanteren Dingen zuwenden."
http://hpg.blogg.de/eintrag.php?id=70#kommentare
Olaf Storbeck, Handelsblatt | 06.10.2008 - 19:26

Monika Piazzesi, Stanford kommentiert:

Lieber Harald,

was fuer ein kollossales Eigentor fuers Handelblatt!

Im Moment herrscht grosse Unsicherheit ueber das Ausmass der Krise --- mehr Diskussion, gerade von solch informierten Stimmen wie Deiner, ist da besser nicht schlechter!!!

Und ausserdem sind die Leser dieses Blogs nicht so bloed, wie das Handelsblatt wohl annimmt - wir wissen, dass das hier Deine Meinung ist, und nicht eine offiziell abgesegnete Meinung des Handelsblattes.

Als begeisterte Leserin dieses Blogs kann ich nur sagen, hoffentlich machst Du weiter, wenn noetig mit einem anderen Provider!

Viele Gruesse, Monika
Monika Piazzesi, Stanford | 06.10.2008 - 21:02

südlicht kommentiert:

Sehr geehrter Herr Storbeck,

Ihre Entscheidung, sich von dem Blog zu distanzieren, kann ich grundsätzlich nachvollziehen, da mit einem Panik-Run auf irgendeine Bank niemandem geholfen ist.

Allerdings sollte dies nicht dadurch geschehen, dass man es kommentarlos (!) löscht. Entgegen mancher Vorkommentatoren IST das meiner Meinung nach Zensur. Das braucht man nicht mehr schönzureden.

Dass man sich mit einem Hinweis gezielt (wie das nachträglich auch geschehen ist) distanziert, ist m.E. in Ordnung, aber das sollte als nicht von Vorneherein durch kommentarloses Löschen geschehen.

Das setzt den gelöschten Artikel in ein Licht, das ihm nun doch nicht zusteht.
südlicht | 07.10.2008 - 11:36

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