Eine Frage an Merkel und Westerwelle. Experten, Dilettanten oder etwas anderes?
Mittwoch, 28.10.2009
Schäuble ist Finanzminister. Aha. Wie der niederländische Journalist Savelberg bei der Pressekonferenz dazu anmerkte, hatte Schäuble mal 100000 Mark „vergessen“, die ihm ein Waffenhändler gegeben hatte. Der Journalist fragte daher, ob das nicht für einen Finanzminister problematisch sei. Kanzlerin Merkel erklärte daraufhin, daß sie Schäuble vertraut. Das ist natürlich gut zu wissen. Was meinen Sie? Vertrauen Sie ihm auch? Ist er Experte, Dilettant oder noch etwas anderes?
2008=1931, aber nicht 2008=1929.
Dienstag, 27.10.2009
Welche Lektionen lassen sich aus der Großen Depression nach 1929 über die Wirtschaftskrise nach 2007 lernen? Diese Frage treibt viele Kommentatoren und Ökonomen um. Ich habe hier einen, wie ich finde, sehr interessanten Beitrag des Londoner Ökonomen und renommierten Wirtschaftshistorikers Albrecht Ritschl gelesen. Ich empfehle ihn hiermit weiter.
Ein Wunsch an Merkel und Westerwelle: Experten statt Dilettanten
Mittwoch, 07.10.2009
Wie lassen sich die derzeit schwierigen wirtschaftlichen Probleme Deutschlands lösen? Gute Frage. Wer kann sie beantworten? Na klar: da gibt es die 10-Sekunden bis 30-Minuten Fernseh-Interviews mit prominenten Ökonomen, Literaturnobelpreisträgern, Popstars und ähnlichem mehr. Stattdessen ist mein Vorschlag und Wunsch für die neue Regierung: Professionalisierung, durch ausreichende Expertise in den Ministerien und engen Kontakt in die Wissenschaft, ernstgenommen auf höchster Ebene.
“Der Spiegel”, Westerwelle, Steuersenkungen und die Laffer Kurve
Freitag, 25.09.2009
Kurz vor der Bundestagswahl hat Sven Böll in “Der Spiegel” noch schnell einen unvollständig recherchierten Artikel über die Laffer-Kurve geliefert, wohl insbesondere als Breitseite gegen Westerwelle, die FDP und deren Steuersenkungsvorschläge. Lieber Herr Böll, liebe “Der Spiegel”-Redaktion: vom Leder ziehen ist ja ok, aber wo sind die einstigen Recherche-Stärken ihrer Redaktion geblieben? Schon mal “Laffer curve” in Google eingegeben? Dort finden sie auf Seite 1 gleich den Link zu einer 2009 verbreiteten wissenschaftlichen Studie mit dem doch klaren Titel “How Far Are We From The Slippery Slope? The Laffer Curve Revisited”. Diese Studie gibt durchaus eine präzise Antwort auf die von Ihnen in den Raum gestellte Herausforderung: “Denn Laffer selbst hat den Prozentsatz, ab dem die Einnahmen des Staates bei Steuererhöhungen sinken, nicht präzisiert. Und auch die Forschung tut sich mit konkreten Antworten auf die Frage, wo dieser Punkt denn eigentlich genau liegt, bis heute schwer.” Die Antworten finden sich in dem genannten Papier. Mal ehrlich: das konnten Sie nicht finden? Wie kann das sein?
G20: Regulierungs-Chaos nach der Weltfinanzkrise
Mittwoch, 23.09.2009
Im Vorfeld des G20 Treffens in Pittsburgh überbieten sich die Regierungen gegenseitig, welche Finanzmarktregulierung denn streng genug sei, um die bösen, bösen Banker davon abzuhalten, in Zukunft zuviele Risiken einzugehen und das Finanzsystem zum Einsturz zu bringen. In Holland gibt es bereits einen freiwilligen Codex, daß Bonus-Zahlungen nicht das reguläre Gehalt übersteigen dürfen. Die Europäer würden wohl Bonus-Zahlungen grundsätzlich stark reglementieren – dagegen mutet der eigentlich absurde Vorschlag der Fed, in Zukunft alle Bonus-Kontrakte im Vorfeld zu genehmigen, schon beinahe milde an. Da geht die Bundeskanzlerin in einer Pressekonferenz an diesem Montag noch deutlich weiter: “Jedes Finanzmarktprodukt, jede Finanzinstitution und jeder Finanzplatz sollen einer Regulierung unterworfen werden, und das Ganze muss natürlich kohärent, global geschehen.” Dazu sollen die Eigenkapitalregeln verschärft werden: mehr soll sein und irgendwie besser. Der IMF soll mehr Ressourcen und mehr Aufgaben bekommen.
Schlaflos über Seattle
Dienstag, 25.08.2009
Ein 8-Stunden Nachtflug irgendwohin, vielleicht New York nach London, vielleicht woanders. Das sollte doch ausreichen, um gute sieben Stunden zu schlafen, oder? Ist es nicht. Etwa eine Stunde nach Abflug wird erst einmal Essen serviert. Um mich regt sich alles, die freundlichen Stimmen der Stewardessen und das Geklapper mit Besteck, das Aufrichten der Stühle – nein, Schlafen ist unmöglich.
Externe Berater in den Ministerien: auch Ökonomen?
Donnerstag, 13.08.2009
Da lese ich zum Beispiel hier, daß die Bundesregierung im Jahr 2008 ``mindestens 40 Millionen Euro” für externe Beratungsverträge ausgegeben hat. Mich interessiert nun: wieviel davon floß an Ökonomen, außerhalb der “Wirtschaftsforschungsinstitute” und des Sachverständigenrates? D.h., hat man in dieser Wirtschaftskrise versucht, volkswirtschaftlichen Sachverstand zu holen – und zwar in einer Weise, die signalisiert, daß hier mehr als eine gelegentliche Hobby-Beschäftigung gewünscht wird? Ich vermute, die traurige Antwort ist im wesentlichen ein “Nein”.
Deutsche Politiker: ohne Computerkenntnis?
Donnerstag, 30.07.2009
Mehrfach beklagte ich in diesem Blog die mangelnde Interaktion der Wirtschaftspolitik mit den wirtschaftswissenschaftlichen Experten – und da finde ich diesen Bericht der Kinderreporter auf YouTube. Da hat z.B. Bundesjustizministerin Zypries noch nie etwas von einem Browser gehört, Ströbele weiß möglicherweise nicht einmal, wie man so einen Computer eigentlich einschaltet – und sie sind nicht allein. Lustig? Traurig? Entscheiden Sie. Ob also irgendein Expertenwissen gleich welcher Art per Internet irgendwie bei den Politikern ankommt, darf man nach diesem Bericht wohl stark bezweifeln – aber jeder Politiker sei aufgerufen, dem hier durch kurzem Eintrag zu widersprechen! Fachbücher, Fachzeitschriften und "working papers" werden dort wohl auch nicht gelesen, vermute ich. Vielleicht probieren wir Wissenschaftler es da doch lieber, die wesentlichen Informationen in eine schöne Sendung-mit-der-Maus-Geschichte zu verpacken, und als VHS-Video an die Politiker zu senden? Das könnte evtl funktionieren – hat das schon einmal jemand probiert? Schließlich wird ja immer gesagt, die Wissenschaft habe eine Bringschuld. Sponge Bob würde ich als Grundlage nicht empfehlen: zu modern, kennen die wahrscheinlich nicht. Immerhin.
Claudia Pechstein und die Ökonometrie
Mittwoch, 15.07.2009
Hat Claudia Pechstein gedopt? Auffällige Blutwerte, vehemente Proteste, verwirrende Experten-Aussagen: vieles ist noch unklar. Zur Entscheidung soll diesmal ein statistischer Beweis herangezogen werden. Doch was man darüber in den Zeitungen liest, erstaunt den Ökonometriker in mir. Entweder ist die Berichterstattung doch etwas oberflächlich oder der geplante statistische Beweis ist etwas wackelig oder die Einsichten der Ökonometrie helfen hier tatsächlich nicht. Aber das sollte zumindest geklärt werden.
Quantitative VWL oder Ordnungspolitik? Eine Stimme aus dem Wirtschaftsministerium
Mittwoch, 08.07.2009
Hier eine – wie ich finde, vernünftige! – Stimme aus dem Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie zu der Frage, wie die VWL für die Wirtschaftspolitik nützlich sein kann. Verfasser ist Dr. Berend Diekmann, der Text ist ungekürzt, und er hat mir für die Verbreitung hier seine Erlaubnis gegeben.
Die Lage der Ordnungstheorie
Volkswirtschaftslehre nach Adam Riese oder nach
Adam Smith?
Dr. Berend Diekmann
Mit ungewohnter Heftigkeit tobt zur Zeit in Deutschland eine Auseinandersetzung um die Ausrichtung der Volkswirtschaftslehre an den Universitäten.
83 Professoren der Volkswirtschaftslehre sahen sich sogar veranlasst, einen Aufruf zur Rettung der Wirtschaftspolitik zu veröffentlichen.
Es scheint, nicht nur die Unternehmenslenker und die Wirtschaftsverfassung, sondern auch die Wirtschaftswissenschaften selbst stecken mittlerweile in einer Vertrauenskrise. Worum geht es?
Die Lage der Ordnungstheorie
Volkswirtschaftslehre nach Adam Riese oder nach
Adam Smith?
Dr. Berend Diekmann
Mit ungewohnter Heftigkeit tobt zur Zeit in Deutschland eine Auseinandersetzung um die Ausrichtung der Volkswirtschaftslehre an den Universitäten.
83 Professoren der Volkswirtschaftslehre sahen sich sogar veranlasst, einen Aufruf zur Rettung der Wirtschaftspolitik zu veröffentlichen.
Es scheint, nicht nur die Unternehmenslenker und die Wirtschaftsverfassung, sondern auch die Wirtschaftswissenschaften selbst stecken mittlerweile in einer Vertrauenskrise. Worum geht es?
